AG1 Landwirtschaft

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Fokus Landwirtschaft: Herausforderungen, Ziele & mögliche Entwicklungen

Herausforderungen & mögliche Entwicklungen

Die Schweizer Landwirtschaft ist jener Wirtschaftszweig mit der grössten Flächennutzung und somit hoher Verantwortung gegenüber den Ökosystemen und ihren Dienstleistungen. Die hohen Stickstoff- und Phosphorüberschüsse, primär aus der Tierhaltung, gefährden Biodiversität und Gewässer und heizen den Klimawandel an. Zudem führt nicht standortgerechte Bodenbewirtschaftung zu Bodenverdichtungen und Erosion sowie Einträgen von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln in den Gewässerraum. Darüber hinaus belastet der hohe Dünge- und Futtermittelimport (graue Energie) die Umwelt im Ausland (Schweizer Bundesrat, 2018)⁠.

Die landwirtschaftlichen Produktionsbetriebe sehen sich nicht nur zunehmender Kritik seitens einer aufwachenden Bevölkerung (Stichwort: Trinkwasserverschmutzung) gegenüber konfrontiert, sondern werden zukünftig auch aufgrund der klimatischen Veränderungen und beispielsweise erhöhten Gefahr von Starkwetter-Ereignissen ihre Betriebsstrukturen anpassen (müssen). Resilientere Agrarsysteme, die auf agrarökologischen Erkenntnissen aufbauen (vgl. www.agroecology-pool.org), werden zum Schlüsselereignis der Klimaanpassungsstrategien unserer lokalen Nahrungsmittelproduktion.

Neueste Studien zeigen, dass eine auf agrarökologischen Prinzipien aufbauende Landwirtschaft die Lebensgrundlage Boden erhalten, die Biodiversitätsverluste mildern und die Agrarsysteme widerstandsfähiger gegen unvorhergesehene Ereignisse (Wirtschaftskrisen, Dürren, Starkregen, Klimaveränderungen) machen kann. Ausserdem können sich dadurch die Produktvielfalt und die sozialen Bedingungen der in der Landwirtschaft Tätigen verbessern (Darmaun et al., 2019).

Ein Systemwechsel ist angezeigt. Wir wollen mit unseren Vorschlägen im Rahmen des vorliegenden Konzepts den Grundstein der lokalen Ernährungswende legen und die LandwirtInnen bei ihrem Übergang in einen ressourcenschonenden und effizienten Landbau unterstützen. Das Prinzip der Klimaidee: Die Kompensationszahlungen sollen für Bodenaufbau respektive Humusaufbau und Düngemittelstabilisierung/Kompostierung eingesetzt werden, und so den Auswirkungen von Immissionen (CO2/NOx) und Emissionen (Stickstoff, Phosphor) auf die Umwelt entgegenwirken, sowie auch regenerative Landbaumethoden ermöglichen (Know-How, Technik, Kapital).

Umweltzielsetzungen, Agrar- und Klimapolitik

Die Schweiz hat sich aufgrund der nationalen Gesetzgebung (Umweltschutzgesetz, Luftreinhalteverordnung) und internationalen Abkommen (UNECE) dazu verpflichtet, die Belastung der Umwelt mit Luftschadstoffen zu erheben und über Immissionen und Emissionen Bericht zu erstatten (Kupper et al., 2013). Die Herausforderungen der Schweizer Landwirtschaft liegen bei zu hohen Stickstoff- und Phosphoremissionen in die Umwelt, die negative Auswirkungen auf natürliche Ökosysteme (Boden/Wasser/Luft) haben (BFS, 2018)⁠. Aufgrund der überhöhten Messwerte, beispielsweise bei den Stickstoffformen und deren kritischen Eintragsfrachten in sensible Ökosysteme, definierte der Bund 2008 die 13 Umweltziele Landwirtschaft (UZL), darunter Massnahmen zur Reduktion der Bodenverdichtung und -erosion, der stickstoffhaltigen Schadstoffe wie Lachgas (N2O) und Nitrat (NO3-) sowie der Treibhausgase. 2016 konstatierte der Statusbericht des Bundes, dass keines der 13 definierten Umweltziele vollständig erreicht wurde (BAFU & BLW, 2016). Wir müssen also dranbleiben.

Es zeigt sich, dass die Schweiz auch im Bereich Boden-Biodiversität Defizite aufweist und die nötige Wissensgrundlage im Hinblick auf die langfristige Erhaltung der Bodenfunktionen noch erweitert werden muss (Schweizer Bundesrat, 2016). Im Zuge der weltweiten Klimadebatte, welche momentan eine der wichtigsten umwelt-, gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen darstellt, müssen auch die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft gesenkt werden (BAFU, 2016). Für die Agrarpolitik 22+ (AP 22+) setzt der Bundesrat deshalb mit Zwischenzielen auf eine Reduktion der Nährstoffverluste (u.a. 10 % Reduktion der Stickstoffverluste bis 2025 gegenüber 2015 und 20% bis 2030) um die damit verbundenen Umweltauswirkungen zu verringern. Er gesteht aber auch, dass für das Erreichen der Umweltziele stärkere Reduktionen nötig sind (Schweizer Bundesrat, 2020b; Schweizer Bundesrat, 2020a)⁠.

Klimastrategie Landwirtschaft: 2011 definierte der Bund (BLW)⁠ seine landwirtschaftliche Klimastrategie, die wir mit unserer Klimaidee lokal bestmöglich unterstützen wollen. Als Oberziel heisst es in der Bundespublikation:

"Die Schweizer Landwirtschaft passt sich vorausschauend an die Klimaveränderung an und kann dadurch sowohl die Produktion als auch die gemeinwirtschaftlichen Leistungen steigern. Sie nutzt die technischen, betrieblichen und organisatorischen Möglichkeiten zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen optimal und erreicht so eine Reduktion von mindestens einem Drittel bis 2050 im Vergleich zu 1990. Mit einer entsprechenden Entwicklung der Konsum- und Produktionsmuster wird in der Ernährung insgesamt eine Reduktion um zwei Drittel angestrebt."

Anstehende Initiativen für Sauberes Trinkwasser (vgl. https://www.initiative-sauberes-trinkwasser.ch/) und eine Wirtschaftsweise ohne Einsatz synthetischer Pestizide (vgl. https://lebenstattgift.ch/) gehen einen Schritt weiter, und zeigen den Wunsch der Bevölkerung nach einer natürlicheren Landwirtschaft und einem regenerativen Umgang mit unseren Ressourcen.

Landwirtschaftsböden & Humus

Boden ist nicht nur Lebensgrundlage für uns und eine Vielzahl weiterer Organismen, sondern auch eine endliche Ressource, zu der wir ausserordentlich Sorge tragen müssen. Die Bodenfunktionen werden derweil durch Schadstoffeinträge, Kohlenstoffverlust, Erosion und mechanische Belastungen (Verdichtung) teilweise empfindlich beeinträchtigt. Dies kann zum Abbau von Oberboden (Humus) und damit zur Reduktion der Bodenfruchtbarkeit führen (Schweizer Bundesrat, 2018)⁠. Die Schweiz wirkt diesem Umstand bereits seit Einführung des Ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN) entgegen. Dies genügt jedoch nicht, denn die Ansprüche an unsere Agrarböden nehmen weiter zu (Spezialisierung, Intensivierung & Kostendruck; vgl. Charles, Wendling, & Burgos, 2018)⁠. Nicht zuletzt aufgrund der Ausdehnung der Siedlungsflächen (meist zulasten wertvollen Agrarlandes) und der Bevölkerungszunahme, müssten die vorhandenen Böden inskünftig mehr produzieren können, als es ihre momentane Kapazität zulässt. Wo also ansetzen, um auch in Zukunft funktionsfähige, lebendige Böden zu bewirtschaften und potentiell mehr und diverser zu produzieren? Humusaufbau!

Die verschiedenen Kompartimente des Bodenhumus fliessen dynamisch ineinander und bilden eine Art Kontinuum (Quelle: emev.de, 2020)

Humus ist die Gesamtheit der organischen Bodensubstanz und besteht zu rund 6 % aus Stickstoff und 58 % aus Kohlenstoff. In dieser Definition sind alle Bodenlebewesen wie Bakterien, Pilze, Strahlenpilze, Algen, Einzeller usw. enthalten, alle Wurzel- und Ernterückstände, sowie auch die stabilen Huminsäuren. Unter Dauerhumus versteht man den Anteil Humusstoffe, welcher über Jahrhunderte stabil bleiben kann und unter anderem für die Bodenstruktur (Krümelbildung) verantwortlich ist (Kolbe & Zimmer, 2015)⁠. Die Welt des Bodenhumus befindet sich in einer Art Fliessgleichgewicht zwischen den verschiedenen Teilbereichen, wie nebenstehende Abbildung verdeutlicht.

Humus trägt massgeblich zum Bodenschutz durch Speicherung von Nährstoffen und Wasser, Strukturbildung und Ernährung der Bodenorganismen bei. Bereits eine minimale Verringerung der organischen Bodensubstanz, und somit des Humusgehalts, kann zu negativen Auswirkungen auf die Bodenfunktionen und -eigenschaften und das agronomische Ertragspotential führen. Deshalb besteht weitgehender Konsens, dass der Humusgehalt in Agrarböden erhalten und nach Möglichkeit gesteigert werden sollte. Durch seriös betriebenen Humusaufbau kann eine Reihe von positiven Effekten gleichzeitig erreicht werden: Klimaschutz, Wasserschutz, Bodenschutz, Ökologisierung der Produktion und gesündere Lebensmittel (Dunst, 2011).

Lösungsansätze (Massnahmenbeschriebe)

Lokales Humusaufbauprogramm

mögliche Partnerorganisationen Landwirtschaftl. Verein Wädenswil/Schönenberg/Hütten, ZHAW Institut Umwelt & Natürliche Ressourcen, bodenproben.ch AG, Biomassehof Wädenswil, Verora GmbH, Verein Agricultura Regeneratio
mögliche Synergieprojekte Düngemittelstabilisierung & Kompostierung (∞), Kompetenzzentrum Agroforst (∞)
Budget & Finanzplanung in Abklärung; nebst Klimaidee sind Finanzierungslösungen durch Ressourcenprogramme Bund oder Regionalentwicklungsprogramme möglich

Beschrieb

Böden sind die grössten Kohlenstoffsenken, die der Mensch direkt nutzen kann: angewandte CO2-Bindung durch Anpassung der Bewirtschaftung (Lal, Negassa, & Lorenz, 2015)⁠. Vorreiterprojekt ist das umfassende und mit über 280 partizipierenden Betrieben grösste Humusprojekt Europas, gestartet durch die Ökoregion Kaindorf. Kurz und knapp und doch informativ nachzulesen in der Broschüre-Humusaufbau.

Jedoch sind auch in der Schweiz Firmen und Landwirtschaftsbetriebe mit fundiertem Wissen im effektiven Humusaufbau vorhanden. So zum Beispiel die auf Pflanzenkohleprodukte spezialisierte Firma Verora GmbH (Kontakt: Fredy Abächerli) oder die an der Marktetablierung einer «Humuszertifikatbörse» beteiligte CarboCert GmbH.

Humus & Bodenfruchtbarkeit: Durch den Humusaufbau wird die Bodenbiologie gestärkt. Damit einhergehend auch das Mikrobiom der Pflanzen. Humusaufbau fördert nachweislich die Bodenfruchtbarkeit, reduziert den Dünge- und Spritzmitteleinsatz und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Wetterextremen (Ertragssicherheit, Abschwemmung und Überschwemmung infolge Starkregen) und Erosion durch Wind und Wasser (Charles et al., 2018). Der Humusgehalt ist ein entscheidender Faktor bei der Beurteilung der nachhaltigen Bodenbewirtschaftung.

Das Prinzip ist simpel und effektiv: Die LandwirtInnen bauen Humus auf, schonen die Umwelt, binden CO2 und entlasten unser Klima. Neben einem fruchtbaren und widerstandsfähigen Boden erhalten die Landwirte aus dem Zertifikathandel ein Zusatzeinkommen, sozusagen als Prämie für die CO2-Bindung – und werden zu KlimaschützerInnen (Sihn-Weber & Fischler, 2020). Bei intensivem Humusaufbau nach dem Vorbild der Ökoregion Kaindorf könnte jährlich eine Humusanreicherung von 1 % auf etwa 10 % der Flächen erreicht werden – im Durchschnitt also 0,1 % Humusaufbau auf sämtlichen Agrarflächen der Schweiz. Dies würde einer Bindung von rund 10 Tonnen CO2 pro Hektare entsprechen. Praktiker wie Franz Keiser aus Neuheim ZG demonstrierten, dass diese Zahlen stimmen (Schmidt & Kammann, 2018).

Regenerative Landwirtschaft & Strategien für den Humusaufbau: Die Massnahmen orientieren sich an der Praxis einer Regenerativen Landwirtschaft und reichen von bodenschonender Bearbeitung über den Einsatz komplexer Winterbegrünungen und Zwischensaaten bis hin zu intensiver, regelmässiger Kompostzufuhr. Der Verzicht auf Fungizide und Agrochemikalien sowie die Optimierung des Kalzium-Kalium-Magnesium-Komplexes sind weitere Schlüsselelemente. Für eine fundierte Umsetzung eines Humusaufbauprogramms ist indessen zentral, dass Arbeitskreise zwischen Landwirten und fachlichen BeraterInnen gebildet werden, um die Zielsetzungen zu definieren und Massnahmen effektiv durchführen zu können (Dunst, 2011).

Mögliche Ausgestaltung vor Ort: LandwirtInnen können mit Schlägen von jeweils maximal 1–5 ha am Humusaufbauprogramm teilnehmen. Ausser den Kosten für die Bodenprobe (aktuell CHF 135 pro Schlag, vgl. bodenproben.ch AG) gehen die Landwirte keine Verpflichtung ein. Im Zuge der Anfangsuntersuchung werden pro Schlag an 25 GPS-vermessenen Punkten Bodenproben von einer zertifizierten Firma entnommen. Die Bodenproben werden anschliessend analysiert. Drei bis sieben Jahre nach der Anfangsuntersuchung wird die Folgeuntersuchung durchgeführt. Pro nachweislich gebundener Tonne CO2 erhält der Landwirt ein (nicht garantiertes) «Erfolgshonorar» in Höhe bestimmter Höhe CHF (Sihn-Weber & Fischler, 2020). Die Firma CarboCert GmbH, die Humusaufbau als Geschäftsmodell etabliert hat, schreibt dazu, dass beim Aufbau von einem Prozent Humus pro Hektare (ha) ein Umsatz von ca. CHF 1300 durch den Handel von CO2-Zertifikaten realisiert werden kann (vorbehaltlich der Etablierung eines bundesweiten Markts für diese Zertifikate). Pro Jahr ist eine Steigerung von 0.1–0.2 % Humus realistisch. Dies bei konsequenter Umsetzung der regenerativen Landwirtschaft (vgl. https://www.bodenproben.ch/anmeldungen/anmeldung-carbocert).

Links https://agricultura-regeneratio.org/ https://www.oekoregion-kaindorf.at/index.php?id=515 https://www.sonnenerde.at/de/erd-gefluester/detail/humusaufbau-ein-buch-fuer-alle/
Wirkungsziele BäuerInnen in der Region Wädenswil werden für den gemeinsamen Humusaufbau sensibilisiert und sind motiviert diesen zu fördern Monitoring: Gleichbleibende oder steigende Bodenqualität (2021-2026)
Umsetzungsziele Bildung eines Arbeitskreises zwischen Bauern und Fachpersonen aus Wissenschaft und Praxis Entwicklung eines kollektiven Projektes unter den LandwirtInnen in der Region; Fokus auch auf Mechanisierung für regenerativen Landbau Nutzung logistischer Synergien unter den BäuerInen und Wiederverkäufern zur Belieferung der Region Wädenswil

Düngemittelstabilisierung & Kompostierung

mögliche Partnerorganisationen Landwirtschaftl. Verein Wädenswil/Schönenberg/Hütten, ZHAW Institut Umwelt und natürliche Ressourcen, Biomassehof Wädenswil, Verora GmbH
mögliche Synergieprojekte Lokale Kompostwirtschaft Biomassehof Wädenswil (✓), Lokales Humusaufbauprogramm (∞)
Budget & Finanzplanung offen, betriebsindividuell -> Beratungspartnerschaften im Aufbau

Beschrieb

Die Anwendung stabilisierter Hofdünger und ausgereifter Komposte ist zentraler Bestandteil eines nachhaltigen Boden- und Nährstoffmanagements. Wird auf Bodenaufbau gesetzt, kommen grosse Mengen ausgereifte Komposte auf die betreffenden Flächen. Kompost ist quasi fertiger Humus und kann sich direkt mit dem Bodengefüge verbinden (Dunst, 2011).

Die Massnahmen in der Düngemittelstabilisierung müssen je nach Hof, dessen Betriebsstruktur und Stallsystem individuell betrachtet werden. Mögliche Massnahmen sind sehr vielfältig und reichen von gezielter artgerechter Fütterung, kombiniert mit Futtermittelzusätzen wie Leinsaat oder Pflanzenkohle, Aufbereitung und Lagerung der anfallenden Hofdünger, der Ausbringung bis hin zur Optimierung von offenen Stallsystemen (Verminderung Ammoniakverluste). Auch im Bereich flüssiger Hofdünger können in den Lagertanks viele Massnahmen wie die Zumischung von Pflanzenkohle oder Hackschnitzel als Flotatschicht umgesetzt werden.

Empfehlenswert ist dieses AgroCleanTech-Faktenblatt zur klimafreundlichen Düngung.

Schlüsseltechnologie Pflanzenkohle: Der Einsatz von Pflanzenkohle liesse sich in einer Kaskadennutzung, je nach Betriebstyp, integrieren um geschlossene Nährstoffkreisläufe zu etablieren (= weniger Verluste durch Auswaschung/-gasung). Pflanzenkohle dient als Trägermaterial für Nährstoffe und kann mit Hofdüngern beladen werden. Sie fördert so effizient das Pflanzenwachstum. Als Futterzusatz kann sie Emissionen (Ammoniak) aus der Tierhaltung minimieren (Schmidt, 2012)⁠. Ab 2020 wird durch das European Biochar Certifcate (EBC) für qualitativ hochwertige Pflanzenkohle erstmals Zertifikate ausgestellt. Diese belaufen sich auf rund CHF 30 pro Tonne, wenn die Kohle nachweislich dem Boden zugeführt wird (Fredy Abächerli, mündliche Mitteilung, März 2020).

Kompostwirtschaft: Der Biomassehof Wädenswwil (Kontakt: Rainer Bossert) ist bereits in der Fertigung von Landwiirtschaftskompost tätig. Diese Synergie sollte genutzt werden. Die Systeme liessen sich auf verlustarmere Kompostiermethoden umstellen. Beispielsweise auf ein Terra Preta-System, wo sich durch die Zumischung von hohen Anteilen Pflanzenkohle die Verluste an Kohlenstoff und Stickstoff weiter reduzieren lassen (Dunst, 2011).

Links https://www.haab-bossert.ch https://www.klimabauer.ch/images/Fachleute/Workshops/Klimaschonende-Mineralduenung.pdf www.ithaka-journal.net/pflanzenkohle-eine-schlusseltechnologie-zur-schliesung-der-stoffkreislaufe
Wirkungsziele Senkung der Nährstoffverluste (Emissionen) und Umweltverschmutzungen (Immissionen) aus mangelhaft stabilisierten Düngemitteln Kompostierung und Pflanzenkohle als Schlüsseltechnologie für regenerativen Landbau etablieren
Umsetzungsziele Umfassende, lokale Kompostwirtschaft etablieren Landbau

Baumpflanzungen & Hochstammobstgärten (Agroforstsysteme)

mögliche Partnerorganisationen Landwirtschaftl. Verein, ZHAW Institut Umwelt und natürliche Ressourcen, Forschungsanstalt Agroscope, Naturschutz Wädenswil, Hochstamm Suisse, Müller-Thurgau Stiftung
mögliche Synergieprojekte Obstgartenprojekte Naturschutz/BirdLife (✓), Agroforst Kompetenzzentrum Wädenswil (∞)
Budget & Finanzplanung offen, mögliche Projektbeteiligung durch lokale Forschungseinrichtungen

Beschrieb

Agroforstwirtschaft: Landwirtschaftsparzellen werden mit Reihen von Hochstamm-Feldobst- oder Wertholzbäumen & Hecken aufgewertet. Dies generiert nicht nur wichtige Biomasse, bspw. als Ausgangsstoffe für die betriebseigene Kompostwirtschaft, und diversifiziert die Produktpalette, sondern potenziert auch die Kohlenstoff-Bindung im Boden durch die tiefreichende Wurzelmasse der Bäume (Seitz et al., 2017). Flächenerträge der Ackerkulturen nehmen um bis zu 40 % zu. Teilweise auch die innere Qualität der Feldfrüchte. Nützlinge in den Gehölzen regulieren Schädlinge der Ackerfrucht. Baumwurzeln dienen zudem als Nährstoff- und Wasserpumpen aus tieferen Schichten (Spiecker et al., 2010).

Wichtig für die Schweiz als Tierhaltungshochburg: Modellrechnungen ergaben, dass Agroforstsysteme in Kombination mit Tierhaltung einen Beitrag zur klimafreundlichen Tierproduktion leisten können (CO2-Bindung der Bäume; Briner, Hartmann, & Lehmann, 2011)⁠. Pionierhafte Praxisbetriebe, die zusätzlich auf Kompostwirtschaft setzen, weisen mitunter sogar negative CO2-Bilanzen auf (Schmidt & Kammann, 2018).

Hochstamm-Obstgärten: Wädenswil gilt als traditionelle Obstbauregion; es gilt den ökologisch-sinnvollen Hochstammobstbau zu fördern, auch für Tafelobstproduktion. Auch das LEK-Ziel K3 Landschafts- und Naturwerte (Kultur-, Landschafts- und Naturwerte) zielt auf die Unterstützung von Hochstamm-Obstgärten/Streuobstbaum-Beständen ab (AquaTerra, 2012, S. 81). Einen guten Start verzeichnete in diesem Bereich das Obstgartenprojekt Horgen-Wädenswil (Kontakt: Patrick Heer, vgl. auch Massnahmenbericht 2017). Nun könnte dieses Projekt innerhalb der Klimaidee und mithilfe eines Regionalen Entwicklungsprojekts zur weiteren Ressourcenakquise ausgebaut und vertieft werden (Verarbeitungsstrukturen, Absatzkanäle, Produktinnovation). Als wichtige Partnerin für Ankauf und Vermarktungslösungen ausserhalb Wädenswils könnte auch die Vereinigung Hochstamm Suisse dienen. Möglichkeiten im Rahmen der Klimaidee wären bspw. auch Obstgarten-Patenschaften, die die Ressourcen für Aufbau- und Pflegeleistungen neuer Anlagen für 5 Jahre sicherstellen.

Agroforst-Kompetenzzentrum: Durch die vertiefte Auseinandersetzung der Wissenschaft mit Agroforstsystemen – das heisst, die Produktion von Holz und Baumerzeugnissen mit Ackerkulturen zu verbinden – und der Schlussfolgerung, dass solche Systeme nicht nur enorm produktiv sind, sondern auch der Anpassung an klimatische Veränderungen dienen, soll sich diese traditionelle Landbewirtschaftungsform wieder etablieren (vgl. http://www.agroforstkampagne.net/forschung).

In Kooperation mit der Forschungsanstalt Agroscope und der Forschungsgruppe Hortikultur, ZHAW IUNR (Kontakt: Mareike Jäger) könnten lokale BäuerInnen ein Kompetenzzentrum für zukunftsweisende Agroforstsysteme aufbauen.

Links Agridea Dokumentation Agrofostsysteme https://www.birdlife.ch/de/content/obstgarten-horgen-waedenswil http://www.agroforstkampagne.net/forschung
Wirkungsziele Ausweitung und Unterstützung des bestehenden Obstgartenprojektes Agroforst-Kompetenzzentrum Wädenswil wird getragen durch viele lokale LandwirtInnen und deren Projekte
Umsetzungsziele Vernetzung mit AkteurInnen des Obstgartenprojektes Horgen-Wädenswil & Identifizierung möglicher Partnerbetriebe Bereitschafts-/Potentialabschätzung mit Betrieben im Raum Horgen-Wädenswil Projektskizze für Regionales Entwicklungsprogramm des Bundes

Weitere Optionen und Lösungsansätze

Einsatz von Kompost-Tee (vgl. https://edapro.ch/) ein wichtiger Ansatz, die Bodenbiologie und somit Pflanzengesundheit zu fördern, ist Kompost-Tee (flüssiges, mit Mikroben angereichertes Kompost-Extrakt) → kann Dünge- und Pflanzenschutzmittel in einem sein und letztere weitgehend ersetzen, was im Einklang mit dem Pflanzenschutzmittel-Aktionsplan des Bundes steht. Kompost-Tee und Humusaufbau gehen Hand in Hand: BäuerInnen können den Mikroben-Auszug günstig und en masse selber herstellen und mit herkömmlichen Spritzgeräten ausbringen, dies bringt Wirtschaftlichkeit und Ökologie in einem (und zeigt, dass sich die beiden Maximen nicht ausschliessen müssen)
Lokaler Cidre & weitere Spezialprodukte (aus nicht verwertetem Fallobst): viele Hochstammobstbäume mit tw. alten Sorten werden nicht mehr beerntet, die Früchte bleiben ungenutzt → in Zusammenarbeit mit dem Lebensmittelinstitut an der ZHAW könnte eine lokale Cidre-Linie etabliert werden mit einheitlichem Label und Vermarktung → so generieren die Hochstammobstbäume einen zusätzliche Wert für LandwirtInnen und Bevölkerung im Premiumbereich → die Forschungsanstalt Agroscope hat in der Cidre-Forschung wichtige Vorarbeit geleistet (Marktpotential steigend)

Liste möglicher Partnerschaften

PartnerIn Unterstützungsbereich (U) / Geschäftsbereich (G) Ansprechperson
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